12. November 2006

Die Hochbegabung des Mario M. Intelligenz im Hochsicherheitstrakt

Die schrecklichen Taten des Mario M. an Stephanie sind bekannt und sollen hier nicht weiter diskutiert, weil der Justiz überlassen werden. Schoggo-TV möchte auch nicht seinen Gefühlen öffentlich Ausdruck verleihen, welche derzeit immer noch zwischen tiefster Trauer für Stephanie und äußerstem Zorn auf Mario schwanken.
Schoggo-TV möchte die Aufmerksamkeit auf eine Tatsache richten, welche nicht der Entschuldigung oder gar Freisprache von Mario M., wohl aber dem Verständnis für eine Andersartigkeit dienen mag, unter welcher nur 2% der Bevölkerung leiden bzw. wegen dieser leidend gemacht werden.

N24 schreibt: Stephanie-Entführer Mario M. leidet nach Einschätzung des Gerichts-Gutachters Hans-Ludwig Kröber an einer “schweren Persönlichkeitsstörung”. Diese habe den Rang einer “seelischen Abartigkeit”, berichtet das Nachrichtenmagazin “Focus” unter Berufung auf das vorläufige psychiatrische Gutachten. Der 36-Jährige sei “überdurchschnittlich” intelligent. Sein Intelligenz-Quotient beträgt dem Bericht zufolge 138 Stephanie-Entführer ist seelisch abartig.
Auch in der Berliner Morgenpost Abartig und hochintelligent.

Ein IQ von 138, das sieht ungefähr so aus - hier:

Hochbegabung = Verbrecher oder Professor?

IQ

Abbildung - Graphik und Zitat zur Hochbegabung Hochbegabung: Die Intelligenzquotienten (x-Achse) Hochbegabter betragen auf der deutschen Skala 130 oder mehr. Die einzelnen Farben stehen für die verschiedenen Intelligenzstufen.

Nur 2 % der Bevölkerung haben einen IQ von 130!

Die DGhK - Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. schreibt unter dem Abschnitt Hochbegabung: Begabung ist keine Krankheit oder Behinderung, sondern ein Geschenk für das Kind, für die Familie und für die ganze Gesellschaft. Hochbegabte Kinder sind keine “besseren” Kinder. Sie brauchen aber, um sich harmonisch und glücklich entwickeln zu können - genauso wie jedes andere Kind auch - eine Förderung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird DGhK - Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V..

Mario M. hatte wohl das Pech in eine Gesellschaft geboren zu werden, welche sich mit fürsorglicher Hingabe und hohem finanziellen Aufwand jenen körperlich und/oder geistig anders begabten Personen widmet, die man langläufig als behindert bezeichnet Behinderung.

Schoggo-TV hat kein Mitleid mit dem erwachsenen Kinderschänder Mario M. Prozess - Der Justiz aufs Dach gestiegen, verspürt jedoch Trauer und Zorn über das vielfache Schicksal von hochbegabten Kindern, welche unbeachtet bleiben, ob ihrer Andersartigkeit im Verhalten verspottet werden und für welche niemand ein Charity-Bloggen zu Weihnachten veranstalten mag:
hochbegabte Kinder müßen sich selbst helfen, die sind ja intelligent genug, gell?

Schoggo-TV ist (mal wieder!) stinkesauer auf Menschen, welche sonst für fast alles Verständnis haben und nun keine intellektuelle Einsicht zeigen Es passt zu meiner augenblicklichen Laune! sowie kopfschüttelnd über Laien, welche sich ein fachliches Urteil anhand eines Einzelfalles erlauben Therapiert die Therapeuten.

… na ja, 2 % sind halt schon verdammt wenig.

13 Kommentare

1. GeistesWelt schrieb am 12. November 2006 um 10:12

Du impliziert ja die Meinung, dass Verbrecher immer irgendwie minderbegabt sein müßten! Gerade brilliante Ganoven (vielleicht in Bezug auf Sexualstraftäter unpassend) zeichnen sich durch klareres Verstehen von realen Zusammenhängen aus. Die sprichwörtliche “kriminelle Energie” ist für sich (alleine) gesehen was hochschöpferisches und kreatives. Leute im Durchschnitt der oben gebrachen Gauß’schen Kurve (und meist nur genau die!) können es nicht verstehen, aber es ist wirklich so … ;)

Kritikwürdig finde ich es, dass auch Hochbegabten eine kriminelle Karriere versagt sein soll, es ist ja mehr als Klischee, dass die alle nur bei “Jugend forscht” landen. Noch kritikwürdiger finde ich, dass dann auch ihre “Hochbegabung” für sie verwandt werden soll. Ich denke es spricht strafrechtlich eher gegen sie, wenn sie mehr als der Durchschnitt “auf den Kasten” haben. Hier kommt der forensische Gutachter ins Spiel, der alles und jedem “eine schwere Persönlichkeitsstörung” attestiert, der wie Mario M. aufgefallen ist (sonst würde er seinen Berufstand selber in Frage stellen), und wenn genau so ein Attest vorliegt, dann sagt der Richter (meist) “nicht schuldfähig” und er kommt in psychiatrische Unterbringung und wenn er es klug anstellt (das ist er ja), dann zeigt er sich einsichtig und kann sich nach 2 Jahren wieder resozialisieren. War dann nichts mit lange Knast und schweren Jungs, die Vergewaltiger und Kinderschänder nicht mögen sollen und Mario M. auf ihre Weise “resozialisieren” würden….

2. Hubbe schrieb am 13. November 2006 um 09:15

Er kann sogar hyperventilieren! :D
Schaun mer mal was als nächste Aktion von dem Kotzbrocken der Intelligenzbestie kommt…

3. Dieter Petereit schrieb am 13. November 2006 um 10:31

Für mich ist und bleibt er das “Arschloch auf Flachdach”!

4. Wilhelm Entenmann schrieb am 13. November 2006 um 12:35

@All:
… mir isses eigentlich eher um das Schicksal von Hochbegabten gegangen … . :-|

5. Hubbe schrieb am 13. November 2006 um 13:08

Was soll denn mein Schicksal sein? ;)
Dass mich niemand als wahres Genie wahrnimmt? :D

6. Wilhelm Entenmann schrieb am 13. November 2006 um 13:42

@Hubbe:
Du bist doch bereits verheiratet, oder? ;-)

7. F.R. (Psycho-Blog) schrieb am 14. November 2006 um 14:05

Ich finde Deinen Beitrag schön geschrieben, v.a. dass Du Dich erst mal differenziert mit einem
solchen Thema auseinandersetzt. Was leider offensichtlich manche nicht können.

Allerdings muss noch mal darauf hingewiesen werden, dass Persönlichkeitsstörung und Intelligenz
zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Wobei schon mal diese Aussage von einer
“schweren Persönlichkeitsstörung” mit dem Rang einer “seelischen Abartigkeit” nicht unbedingt
besonders wissenschaftlich ist. Es gibt eine Reihe sehr unterschiedlicher Persönlichkeitsstörungen,
relativ bekannt ist z.B. Borderline - das ist es aber in diesem Falle wohl nicht. Was bei
Schwerverbrechern häufig vorliegen kann, ist eine sog. Antisoziale Persönlichkeitsstörung (früher
Psychopathie genannt)

Hier eine Liste mit Kernmerkmalen:
http://www.raumzeit-online.de/index.php?mode=show_article&article=126&pub=79&cat=28

Solche Personen KÖNNEN zudem auch über eine außergewöhnliche Intelligenz verfügen.

Die Struktur dieser Leute macht es ihnen allerdings auch leicht, Menschen zu manipulieren. Gerade
Leute in sozialen Berufen mit einer etwas zu hoch ausgeprägten Empathie und zu wenig Wissen über
Persönlichkeitsstörungen.

Gruß
F.R. (Dipl.-Psych.)

8. Wilhelm Entenmann schrieb am 14. November 2006 um 14:35

@F.R.:
Es ist sehr schwierig über HB zu schreiben, dabei gar Verständnis zu wecken. Sehr oft wird man (so meine Erfahrung) mit dem Vorwurf der Arroganz gekontert, wobei diese sehr oft “hinter” dem Auge des Betrachtes liegt - was man dann auch wieder nicht sagen darf, auch wenn dies die Ergebnisse aus der Selbstwert- bzw. konzeptforschung nahe legen.

Ich habe, neben “statistischen Verkürzungen”, gewiß den Fehler gemacht, die Persönlichkeitsstörungen hier nicht von der HB abzugrenzen - ich wollte diese im Zusammenhang mit Mario M. auch nicht weiter thematisieren, da ich ein Abgleiten der Diskussion in allein diese Richtung befürchtete.

Generell ist es schwierig aus dem psychologischen Nähkästlein zu plaudern, wobei dies doch so viel reiches Wissen bereithält - Wissen das die Menschen zum einen suchen, aber im nächsten Moment ablehnen, wenn es ihnen nicht in den Kram paßt (Dissonanz?).
Hätte ich Mario M. ob seiner psych. Auffälligkeiten verurteilt, man hätte mich auf Händen getragen (behaupte ich jetzt mal).

Es bleiben die HB, welche mit ihren Problemen in einer Umwelt, welche nicht für sie geschaffen zu sein scheint, einfach zu wenig Beachtung finden.

Ja, die Sache mit der übertriebenen Empathie - sie war mithin einer der Gründe, weshalb ich auf die Sozialarbeit noch die Psychologie draufgesattelt habe.
Daß zumindest Du mein Anliegen zu verstehen scheinst, wundert mich deshalb nicht. ;-)

9. Schoggo-TV von Wilhelm Entenmann » Sexualstraftäter nach Urteil frei in Karlsruhe und Opferschutz Fehlanzeige schrieb am 14. November 2006 um 18:10

[…] Herr Mario M. sollte da wohl unverzüglich Beschwerde einlegen, was ihm bei seinem IQ sowie mit einem der vielen gewieften Rechtsanwälte gewiß nicht schwer fallen sollte .   [link] […]

10. Andreas Skowronek schrieb am 14. November 2006 um 20:19

[Manueller Trackback] zu http://37sechsblog.de/?p=1115 “Mein Sohn ist eine Intelligenzbestie”:

Eigentlich gehört dieses Posting weniger in die Kategorie “In eigener Sache” als vielmehr in die hier nicht zu findende Rubrik “Höchstpersönlich” – immerhin geht es um das Thema “Hochbegabung”. Deshalb ist die Rede jetzt auch nicht von mir, sondern von meinem süßen Bengel. Mit einem IQ zwischen 128 und 139 gehört er zu jenen zwei Prozent der Bevölkerung mit einer übermäßigen Intelligenz. …

11. Wilhelm Entenmann schrieb am 14. November 2006 um 20:26

@Andreas Skowronek:
Sorry, falls Dein Trackback in meinem Spamfilter, welchen ich immer unbesehen lösche, hängen geblieben sein sollte.

12. Schoggo-TV von Wilhelm Entenmann » Förderung für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg schrieb am 17. November 2006 um 12:54

[…] Hochbegabte Schüler mit überdurchschnittlicher Begabung und Intelligenz werden in den kommenden beiden Schuljahren in Baden-Württemberg mit zusätzlichen Klassen an neun Schulen besser gefördert: Mit dem Beschluss rücke das Ziel einer dezentralen und wohnortnahen Hochbegabtenförderung deutlich näher, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Kritik gegen diese vermeintliche Elitenförderung kam indes von der oppositionellen SPD . Ob’s wohl neben Sozialneid auch so eine Art Begabungsneid […]

13. Schoggo-TV von Wilhelm Entenmann » Die Chancen des Mario M. mit und ohne Abitur schrieb am 13. Februar 2007 um 10:41

[…] Mario M. möchte im Gefängnis Abitur machen. Der zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilte Entführer und Vergewaltiger der 13-jährigen Schülerin Stephanie aus Dresden, Mario M., möchte nun im Gefängnis sein Abitur machen . Der hochbegabte Mario M. hoffe, daß er dadurch nach seiner Haft einen besseren Job finden könne. Der Staat wird die Kosten für das Abitur nicht übernehmen . Bei einer Sicherheitsverwahrung handelt sich um eine freiheitsentziehende Maßregel, d. h. ein Straftäter, gegen den Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, verbleibt auch in staatlicher Verwahrung, nachdem er die daneben ausgeurteilte Freiheitsstrafe verbüßt hat, sofern seine Gefährlichkeit, die durch Gutachter festgestellt werden muss, noch fortbesteht . […]

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