Übergewicht Dicke Freunde sind Dickmacher
Dicke Freunde und Freundschaften machen dick und sind ein Risiko für die schlanke Figur, ist das Ergebnis einer Studie über die Ursachen für Übergewicht. Mussten bislang Stoffwechsel oder Essensverwertung als Ausreden für Übergewicht herhalten, so zeigt sich, dass, neben genetischen Bedingungen der Vererbung, auch das soziale Umfeld einer Person einen Einfluss auf das Körpergewicht hat. Freundschaftliche Beziehungen wirken dabei viel stärker auf die Gewichtszunahme ein, als dies Gene oder andere Umweltfaktoren tun.
Im Rahmen der Framingham-Herzstudie beobachteten zwei Forscher von den Universitäten Harvard und San Diego von 1971 bis 2003 über 12.000 Personen der Stadt Framingham bei Boston und analysierten dabei den Einfluss der sozialen Netzwerke, also Verwandte, Freunde und Nachbarn, auf die Gewichtszunahme der Probanden.
Wasser ist, …macht dicker als Blut…
Nehmen Geschwister zu, so steigt das Risiko, dass man selbst dick wird, um 40%, bei dicker werdenden Freunden steigt das Risiko für die eigene Gewichtszunahme auf 57 % und bei einem Ehepartner immerhin noch bei 37%.
Wird die Beziehung zwischen Freunden von beiden Seiten als eng eingeschätzt, so beträgt die Wahrscheinlichkeit für die eigene Gewichtszunahme 171 %, wenn der Freund oder die Freundin dicker wird.
Ein zunehmender Freund wirkt sich dabei stärker auf das eigene Risiko einer Gewichtszunahme aus, wenn dieser gleichgeschlechtlich ist.
Sozialer Vergleich

Bild: Dicke Freunde machen dick? Muss nicht sein!
Unser Diplom-Schoggologe Wuschelkuschel hört einfach nicht auf seine Freunde und lässt diese selbst nichts sehen oder sagen.
Wieso aber steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man dicker wird, wenn ein Freund, ein enger Freund, ein gleichgeschlechtlicher enger Freund an Gewicht zulegt?
Schaut man sich die Essgewohnheiten ab, oder nimmt man sich seinen dicken Freund gar zum Vorbild? Jein!
Wenn eine befreundete Person in einem sozialen Netzwerk zunimmt, so verändert sich im Freundeskreis die Einschätzung für das Maß, was an Körpergewicht sozial akzeptabel ist.
An diesem Maß orientiert man sich und lässt sich selbst gehen.
Dicke wieder mal an allem schuld?
Die Ergebnisse der Framingham-Herzstudie zeigen, dass der Einfluss der Gene auf das Körpergewicht nicht so stark ist, wie man dies in den letzten Jahren dachte. Dieses Ungleichgewicht zwischen Ergebnissen der Umwelt- und Anlageforschung liegt u.a. daran, dass sozialpsychologische Langzeitstudien wie die obige Studie aufwendig und deshalb sehr selten sind.
Soziale Einflüsse haben in Punkto Gewicht ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.
Dicke verursachen Übergewicht demnach ebenso, wie schlanke Personen Schlankheit in ihrem sozialen Umkreis fördern sollten.
Es geht darum, welcher Maßstab sich in einem sozialen Netzwerk als akzeptable Norm etabliert hat und deshalb von den Personen angestrebt wird - wir Menschen üben sozialen Vergleich, versuchen im Rahmen der Normen zu liegen, welche im Kreis der Personen gültig sind, die uns wichtig, weil eben Freunde sind.
Lasst dicke Männer um mich sein! (Gaius Julius Caesar)
Muss man zwangsläufig dick oder schlank werden, wenn sich derartige Personen im engen Freundeskreis bewegen?
Nein! Wir haben die Möglichkeit uns frei für jene soziale Normen zu entscheiden, nach welchen wir unser Leben gestalten möchten - auch wenn dies manchmal den Ausschluss aus einer Gruppe oder den Verlust einer Freundschaft zur Folge hat.
Es soll auch Menschen geben, welche sich ihre eigenen Maßstäbe selbst setzen…, wie z.B. unser moppeliger Diplom-Schoggologe Wuschelkuschel, der sich einfach nicht um die Maßstäbe seiner schlanken, gleichgeschlechtlichen engen Freunde kümmert - denn so herum geht das auch.
Presse:
Berliner Zeitung - Wie dicke Freundschaften entstehen
GesundheitPro - Übergewicht kann “anstecken”
sueddeutsche.de - Dicke Freunde machen dick
Mannheim, den 28.07.2007, 18:34 Uhr.
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5 Kommentare
1.
anaximander schrieb am 28. Juli 2007 um 19:54
Das ist ja schlimmer als die Vogelgrippe. Im Ernst: dass Dicke ansteckend sein sollen, kommt einer Anleitung zur Ausgrenzung gleich nach dem Motteo “Und bist du nicht willig, so gehts mit Gewalt” - Wer nicht abnehmen will, darf sich nur noch zu seinesgleichen gesellen.
Der neue Rassismus
2.
Wilhelm Entenmann schrieb am 28. Juli 2007 um 20:02
@1. anaximander:
Ob etwas (dick/dünn, faul/fleissig, …) sozial ansteckend ist, das entscheidet jeder für sich selbst, wenn er sich nach einer Norm richten möchte.
Die soziale Ausgrenzung von dicken, dünnen oder sonst wie abweichenden Menschen ist doch bereits gängige Praxis, …wird zuweilen auch Mobbing genannt.
3.
anaximander schrieb am 29. Juli 2007 um 11:10
Das aber ist, gerade bei der heute herrschenden Beflissenheit, alles politisch korrekt zu formulieren und zu machen, politisch ganz und gar nicht korrekt. Das verstößt gegen die Menschenrechte - ich würde klagen, darauf kannst du Gift nehmen.
4.
Wilhelm Entenmann schrieb am 29. Juli 2007 um 12:48
@3. anaximander :
Wen wolltest/würdest Du verklagen?
Die Menschheit, welche sich nach derart Regeln verhält oder die Evolution bzw. Gott, welche diese Mechanismen entwickelt bzw. erschaffen haben?
Die (Sozial-)Wissenschaft ist nur der Bote der Nachrichten darüber, wie und warum sich der Mensch verhält.
Die Wissenschaft ist nicht der Verursacher oder Entwickler bzw. Erschaffer, kurz, Erfinder dieser Regeln, sondern lediglich deren Entdecker… .
5.
Falk schrieb am 29. Juli 2007 um 18:36
Wenn man sich die Begründungen und Rationalisierungen anhört, die wirklich Übergewichtige von sich geben, warum sie dick sind, und sich dann vorstellt, dass diese Einstellungen dann übernommen werden, dann ist da auf jeden Fall etwas dran. Umso mehr, wenn es sich um wichtige Bezugspersonen handelt, denen sich der einzelne nicht so einfach entziehen kann/möchte.
Da ist zum einen die Situation, dass man in einem entsprechenden Elternhaus ständig irgendwelches Essen vorgesetzt bekommt, sei es von den eigenen Eltern oder bei den Eltern von entsprechenden Freunden.
Oder auch, dass die Gewohnheit besteht, gemeinsam in einem bestimmten Fastfood-Restaurant zu speisen.
Und auf der anderen Seite entsprechende körperliche Ausarbeitung nicht gerade zu den Gewohnheiten und gemeinsamen Aktivitäten gehört.
Als Beispiele.