28. Februar 2008

Brandursache Ludwigshafen ein Schwelbrand

Schwelbrand der Kellertreppe soll Ursache für den Wohnhausbrand in Ludwigshafen gewesen sein. Gutachten von Experten macht Brandstiftung oder defekte Elektroleitungen als Ursache für Brandkatastrophe unwahrscheinlich. Ursache für Schwelbrand unter Kellertreppe in Brandhaus von Ludwigshafen unklar. Psychologisches Gutachten zu den beiden Mädchen soll folgen.

Heute soll das Gutachten der Brandexperten zu der Ursache für die Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei welcher am 03.02.2008 in einem von Türken bewohnten Wohnhaus neun Menschen starben, veröffentlicht werden.
Nach Informationen der Bild-Zeitung sei der Brand des 110 Jahren alten Wohnhauses, für welches inzwischen gravierende Bau- und Sicherheitsmängel nachgewiesen werden konnten (1), durch einen Schwelbrand verursacht worden. Eine Brandstiftung oder ein technischer Defekt der Elektroleitungen werde dadurch immer unwahrscheinlicher. Unklar sei die Ursache für den Schwelbrand, der unter der zweiten und dritten Stufe der Kellertreppe ausgebrochen sei und dort für 15 Minuten bis 3 Stunden geschwelt habe. An dieser Stelle seien weder Elektroleitungen verlegt gewesen, noch konnte man Spuren von Brandbeschleunigern finden. (2)

Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht! (Volksmund)

Rückblende I: Ein zündelnder Junge im Sommer 2005 in Berlin-Moabit
Bei einem Wohnhausbrand im Sommer 2005 starben in Berlin-Moabit neun Ausländer durch Rauchgasvergiftung. Der Brand wurde durch einen Jungen verursacht, welcher im Treppenhaus Kinderwägen angezündet hatte. (3)

Das Brandhaus am Danziger Platz in Ludwigshafen

Brandhaus von Ludwigshafen am 07.02.2008

Bild: Das Brandhaus von Ludwigshafen am 07.02.2008, dem Tag als Erdogan kam.

Rückblende II: Zwei Mädchen im Februar 2008 in Ludwigshafen-Hemshof
Nach der Brandkatastrophe ist dem Volksmund sehr schnell klar gewesen, wie es zu dem Feuer gekommen sein mußte: Rechtsextreme Rassisten, kurz Nazis, also die Deutschen, mußten das Feuer gelegt haben.

Die Antifa Ludwigshafen hatte endlich wieder etwas zu tun (unser Bericht hier), die Gutmenschen legten ihre “Nie wieder!” sowie Warum?” Kerzen bereit und die türkischen Medien zündelten am Bürgerfrieden, nannten die deutschen Rettungskräfte “Nazis” (wir berichteten hier) und machten in Ludwigshafen ein “Nest von Neonazis” (Hürriyet) aus.
Als kurz darauf die Zeugenaussagen von zwei türkischen Mädchen verlautbart wurden, welche im Hausflur einen Mann mit Stöckchen und Feuerzeug gesehen haben wollten (4), war klar, daß man sich als Deutscher nur noch mit gesenktem Haupt und einem aufgelegten “Entschuldigung” durch die türkischen Gebiete von Mannheim bewegen durfte.

Sonnenblende: Oh sieh doch deine Sommersprossen
Die türkischen Mädchen im Alter von acht und neun Jahren verstrickten sich in ihren Aussagen aber bald in Widersprüche.
Der Mann, welchen sie im Hausflur mit einem Stöckchen und Feuerzeug gesehen haben wollten, hätte schwarzes Haar und Sommersprossen gehabt. Was aber Sommerssprossen sind, das konnten die beiden Mädchen nicht erklären. (5)
Kurz darauf zogen die beiden Mädchen ihre Aussagen zurück (6), was von ihrem Vater jedoch umgehend dementiert wurde (7).

Umblende: Paulinchen war allein zu Haus
Was machen eigentlich zwei kleine Mädchen alleine in einem Hausflur, welcher mit Kinderwägen vollgestellt gewesen sein soll, während über sechzig Personen in den oberen Stockwerken dem Faschingsumzug von Ludwigshafen zusehen?
Hat man im Flur des Brandhauses, in welchem neun Menschen zu Tode kamen, Reste von Spielsachen gefunden, mit welchen die, durch den Brand gewiß schwer traumatisierten Mädchen gespielt haben könnten?

Überblende: A Dream Within A Dream
Den Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen zu bemessen, ist eine schwere Kunst, vor allem wenn es sich bei den Zeugen um Kinder handelt, die zusätzlich schwer traumatisiert wurden.
Daß Menschen bei Zeugenaussagen die Realität konstruieren, indem sie kognitive Lücken füllen oder selbstwertschützende Verzerrungen vornehmen, wußte nicht schon der alte Freud mit seinen Abwehrmechanismen zu behaupten, sondern ist inzwischen eine, von der Sozialpsychologin Elizabeth Loftus empirisch nachgewiesene Tatsache.

Abblende: Psychologen sollten gute Fragen stellen
Das psychologische Gutachten zu den Aussagen der beiden Mädchen soll eventuell in der nächsten Woche vorliegen. (2)
Man darf gespannt sein, ob der Gutachter sich dabei auch zu fragen traute, was die Mädchen im Hausflur in der Nähe des Schwelbrandes der Kellertreppe getan haben bzw. in welchem Zusammenhang ihre Aussagen mit dem Ausbruch des Brandes stehen könnten.

Quellen:
1) stern.de - Mieter klagten über gravierende Mängel
2) Welt Online - Schwelbrand entfachte Feuer von Ludwigshafen
3) Wiesbadener Tagblatt - Berliner Feuerwehr bietet Kollegen Hilfe an
4) hier - Überlebende Kinder: Da war ein Mann mit Feuerzeug
5) FOCUS Online - Zweifel an Kinderaussagen
6) Spiegel Online - Mädchen ziehen Brandstifter-Aussage zurück
7) stern.de - Vater bestreitet Widerruf der Zeugin

Mannheim, den 28.02.2008, 11:48 Uhr.

10 Kommentare

1. richtig gestellt / bissig bemerkt » Blog Archiv » Ludwigshafen schrieb am 28. Februar 2008 um 13:13

[…] Schoggo-TV gibt uns eine aktuelle Übersicht über die Entwicklung der Ermittlungen zur Brandursache. Da die Wahrscheinlichkeit vorsätzlicher Brandstiftung wohl weiter abnimmt - was aufgrund der Beteiligung türkischer Brandschutzexperten wohl auch von anders interessierter Seite nicht mehr als “Vertuschung” wegdiskutiert werden kann - kann man nun rätseln, ob dadurch die Bereitschaft der türkischen Medien und anderer Vorverurteiler zur offiziellen Zurücknahme ihrer Anschlagunterstellungen steigt. Die Wetten stehen allerdings im Moment noch eher dagegen. […]

2. Peter Reeder schrieb am 28. Februar 2008 um 14:39

daß man sich als Deutscher nur noch mit gesenktem Haupt und einem aufgelegten “Entschuldigung” durch die türkischen Gebiete von Mannheim bewegen durfte.
Das Gefühl kenne ich auch. Man darf ja schon gar nicht mehr den Mund aufmachen.

3. Bahar schrieb am 28. Februar 2008 um 16:45

Du bist dir aber auch sehr sicher, dass es kein Brandanschlag war, nich? Es ist klar, dass egal was in Deutschland mit irgendwelchen Ausländern passiert, es immer gleich Deutsche = Nazis heißen wird.. Noch nich gecheckt? Selbst wenn diese Ausssage nicht stimmt, wird das immer wieder und wieder in den Vordergrund gespielt. Dass habt ihr dann euren Urgroßvätern und Urgroßmüttern zu verdanken, die zu diesen Zeiten nicht schlau genug waren um zu erkennen was sie eigentlich für nen Mist verzapft haben. Tut mir Leid. Ist ja nur die Wahrheit. Was auch immer.. Ich behaupte nicht das alle Deutschen Nazis sind, ich sage nur dass das sehr viele Ausländer denken.

4. Heinz schrieb am 28. Februar 2008 um 17:59

Umkehrschluß: Die Türken sollen wir dann Genozit- Türken nennen? Das bringt uns nicht weiter…

5. horch schrieb am 28. Februar 2008 um 18:03

Glücklicherweise waren türkische Brandermittler dabei…
Was wäre das für ein Proteststurm geworden, wenn nur deutsche Ermittler zu dem Ergebnis gekommen wären.

6. Matthias schrieb am 04. März 2008 um 09:34

Nach der Trauerfeier am Freitag Mittag war ich mit Freunden noch im McD in Neckarau und erzählte uns ein sichtlicher Verwirrter, dass er “manchmal in die Dinge reinsehen kann”. Der Brand in LU wurde nämlich, manchmal träumt er von sowas, manchmal sieht er es einfach, von spielenden Kindern verursacht.

7. Wilhelm Entenmann schrieb am 04. März 2008 um 12:46

@6. Matthias:

Sherlock Holmes: “It is an old maxim of mine that when you have excluded the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth.”
(wobei ich “unmöglich” und “unwahrscheinlich” stets miteinander austausche.)

Heute Nachmittag sollen neue Erkenntnisse über den Brand veröffentlicht werden. Außerdem sollen Ergebnisse aus dem psychologische Gutachten über die beiden Mädchen genannt werden.
Ich werd’s hier nachtragen.

off: Beerdigung. Ich hab’s bei Dir gelesen. Der Name sagte mir allerdings nichts.

8. Wilhelm Entenmann schrieb am 04. März 2008 um 17:59

Der SWR berichtet
Brandanschlag äußerst unwahrscheinlich
Auszüge:

Am Brandherd im Keller des Hauses sei keinerlei Brandbeschleuniger gefunden worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig. “Wir haben keinerlei Ansatzpunkt für eine fremdenfeindliche Attacke oder eine vorsätzliche Brandlegung”, so Liebig weiter. Gegen einen Anschlag spreche zudem, dass das Feuer sehr langsam ausgebrochen sei. Auch die Ermittlungen in der rechtsextremen Szene hätten keine Hinweise gebracht. Eine Kerze oder Zigarette als Zündquelle sei nicht sehr wahrscheinlich, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden.
(…)
“Auch der Leiter der türkischen Ermittlergruppe, Mehmet Tüzel, sagte, es gebe keinen Hinweis auf einen Anschlag. Ein solcher könne aber auch nach wie vor “nicht gänzlich” ausgeschlossen werden.”
(…)
Zu den beiden Mädchen, die ursprünglich einen zündelnden Mann gesehen haben wollen, erklärte Liebig, sie hätten “keine stabile Aussage” gemacht. Die Kinder hätten ihre ursprünglichen Angaben korrigiert. Sie wollen zwar weiter einen Mann in dem Haus gesehen haben, der aber nichts mit Feuer gemacht habe. Laut Liebig gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Mädchen eigenes Fehlverhalten mit ihrer Aussage hätten verdecken wollen. “Die zweite Aussage der Mädchen ist glaubhaft und gut nachzuvollziehen”, sagte der Oberstaatsanwalt. Die Mädchen, die ja selbst Teil der Katastrophe gewesen seien, hätten für sich eine Erklärung gebraucht und deshalb von einem vermeintlichen Täter berichtet. Ein Psychologe habe darauf hingewiesen, dass sie stark traumatisiert gewesen seien.

Quelle und weiterlesen, Link: SWR.de

9. Wilhelm Entenmann schrieb am 08. April 2008 um 10:27

NACHTRAG UND AKTUALISIERUNG

vom 06.04.2008

Ludwigshafen: Was weiß Zeki K.?
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vater des Brandhausbesitzers
Zwei Monate nach dem Brand in Ludwigshafen, bei dem fünf Kinder und vier Frauen starben, gehen die Ermittlungen in eine neue Richtung: Zeki K., Bewohner des Brandhauses und Vater des Hausbesitzers, ist wegen Verdachts der Strafvereitelung vernommen worden. Der 63-Jährige, der bei dem Brand seine Tochter verlor, soll Informationen zurückgehalten haben, um eine oder mehrere Personen zu schützen.

Quelle und weiterlesen: Welt Online (Link)

vom 06.04.2008

LudwigshafenHält Brandhausbewohner Informationen zurück?
Die Ermittler im Fall der Brandkatastrophe von Ludwigshafen mit neun Toten werfen einem Bewohner des ausgebrannten Hauses vor, Informationen zurückzuhalten. Das bestätigte der Leiter der Frankenthaler Staatsanwaltschaft, Lothar Liebig.
Ein 63-jähriger Mann, der in dem Haus wohnte, behalte möglicherweise wichtige Informationen für sich, um jemanden zu schützen, sagte Liebig. Er mache inzwischen von seinem Recht als Beschuldigter Gebrauch, zu den Vorwürfen zu schweigen und wolle sich anwaltlichen Beistand holen.

Quelle und weiterlesen: SWR.de (Link)

10. Genc-Preis an Schramma und Kaplan - Schoggo-TV schrieb am 26. Mai 2008 um 10:34

[…] Der Brand von Solingen, auf welchem der Genc-Preis basiert, wurde durch einen fremdenfeindfeindlich motivierten Brandanschlag verursacht. Der Brand von Ludwigshafen wurde mit hoher Wahrsscheinlichkeit durch einen technischen Defekt bzw. Schwelbrand ausgelöst und hatte keinen fremdenfeindlichen Hintergrund, weshalb zwischen Ludwigshafen und Solingen nur jener Zusammenhang besteht, den alle Brände mit Toten, dabei ungeachtet der Ethnie oder Religion der Todesopfer, gemeinsam haben. […]

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>